Die Koptisch-Orthodoxe Kirche in Deutschland und die Gemeinde Bad Grund besiegelten vertraglich den Verkauf des ehemaligen Schulgebäudes Im Teufelstal. Dort soll ein Sprachinternat für christlich-orthodoxe Jugendliche entstehen

Bad Grund (hn). Am Montag unterzeichnete Bischof Anba Damian, der zugleich der oberste Repräsentant der Koptischen Kirche in Deutschland und Diözesanbischof für Norddeutschland ist, den Kaufvertrag für das ehemalige Schulgebäude Im Teufelstal.

Den Weg zum Verkauf des leerstehenden Schulgebäudes für 25.000 Euro ebnete im März dieses Jahres der Gemeinderat, der mehrheitlich der Beschlussvorlage zustimmte. Die Koptisch-Orthodoxe Kirche plant, aus dem Schulgebäude ein Sprachinternat für altorientalische Jugendliche zur Universitätsvorbereitung zu machen. Der Pastor der evangelischen St.-Antonius- Kirchengemeinde, Michael Henheik, begrüße die Anwesenden, unter denen viele an dem Projekt Beteiligten waren. Dass eine so große Runde zur Vertragsunterzeichnung anwesend sei, bezeichnete der Bürgermeister der Gemeinde Bad Grund, Harald Dietzmann, als ein Zeichen dafür, dass es sich dabei um ein ganz besonderes Vorhaben handele. „Es ist nicht nur ein Verkauf, sondern ein Neubeginn für ein hochkarätiges Projekt“, so Dietzmann „hier werden Kulturen zusammengebracht“.

Das Internat ist konzipiert als Orientierungsstation für christlich-orthodoxe Jugendliche und junge Erwachsene beiderlei Geschlechts, die nach dem Abitur in ihrem jeweiligen Heimatland ein Studium an deutschen Hochschulen anstreben. Dazu gehört die Sprachausbildung in Deutsch und Englisch, aber auch in akademischer Form sowie wissenschaftlicher Arbeitsweisen. Die Zielgruppe sind insbesondere junge Christen, die der altorientalischen Kirchengemeinschaft angehören. Dazu gehören die Kopten Ägyptens, die christlichen Syrer und Armenier, die Äthiopier und Eritreer und die indischen Thomas-Christen. Das Internat soll der Vorbereitung auf ein Studium in Deutschland dienen und wird von der Koptischen Kirche in Deutschland getragen. Die Internatsleitung vor Ort werden die Ägyptologen Prof. Dr. Rainer Hannig und seine Frau Daniela Rutica übernehmen.

Bischof Damian betonte, dass man dankbar sei, in Bad Grund sein zu dürfen. Dadurch könne man einen Dienst für junge Ägypter und die Koptische Kirche beginnen und Dank der Hilfe der Kirchengemeinde und der Einwohner Barrieren abbauen. Den verhältnismäßig geringen Kaufpreis bezeichnete Damian als ideellen Preis und eine Starthilfe für das Projekt. Auch dankte er dem Generalbischof und Präsidenten des Koptisch-Orthodoxen Kulturcenters Ägypten, Anba Ermia, wie auch dem Botschafter der Ägyptischen Botschaft in Berlin Dr. Badr Abdelatty und seinem Stellvertreter Wael El Boraei, die alle trotz der Kürze der Zeit von so weit her zu diesem Termin angereist waren. „Das deutet von Respekt und Pflege der Beziehungen“, so Damian, denn das sei wichtig, damit das Projekt Internationalität bekomme.

Auch wenn man mit Wehmut die Grundschule aufgeben musste, so der Ortsbürgermeister Manfred von Daak, umso dankbarer sei man nun für die Neuausrichtung des Gebäudes. Auch der Generalbischof Anba Ermia wünschte dem Projekt viel Glück, es sei ein Beitrag zur Integration der Kinder und Jugendlichen, mit dem die bilateralen Bindungen zu Deutschland gepflegt werden. „Ich bin davon überzeugt“, so Bischof Damian „dass man durch Bildung und Ausbildung den Frieden schaffen kann“.

Bild oben: Nach Verlesen des Vertrages durch den Rechtsanwalt und Notar Andreas Dobrikow setzten Bischof Anba Damian und der Bürgermeister der Gemeinde Bad Grund Harald Dietzmann ihre Unterschriften darunter (Foto: Herma Niemann).

Als Geschenk und Anerkennung erhielt Harald Dietzmann ein Ikonenbild überreicht (Foto: Herma Niemann).