Das Erzbergwerk Bad Grund war das letzte und wohl auch bedeutendste, mit dem nach dessen Schließung eine über 1000-jährige Bergbautradition im Harz zu Ende ging. Jetzt sind die Planungen für die Wiederaufnahme im Gange

Bad Grund (hn). Nach 25 Jahren seit der Schließung des Erzbergwerks im Jahr 1992 in Bad Grund, erfährt der Bergbau nun doch wieder ein Comeback.

Zwei Projekte sollen realisiert werden, die nicht nur der Bergstadt, sondern vielleicht auch der gesamten Region zu einem Aufschwung verhelfen können. Dabei handelt es sich zum einen um die Wiederinbetriebnahme des Bergwerks zum Metallabbau und zum anderen um die Bergung der Feinberge aus den zwei Bergeteichen, in denen sich wertvolle Metalle befinden, die heute in verschiedensten modernen Technologien ihren Einsatz finden.

Auf den Weg gebracht wurden die beiden Projekte von Dr. Oswald Sander und seinem Geschäftspartner Bernd Wagner, die schon vor einigen Jahren erkannt haben, dass im Laufe der Zeit bestimmte Edelmetalle für die Industrie kostbar geworden sind. Inzwischen hat sich auch ein Investor gefunden, die kanadische Samarium Tennessine Corporation. Vor wenigen Wochen erfolgte auch die Genehmigung durch das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) in Clausthal-Zellerfeld zur Aufsuchung von Kupfer, Zink, Blei und Silber. Dennoch sollen aller Wahrscheinlichkeit nach, zuerst die Bergeteiche 1 und 2 angegangen, zurückgebaut und die wertvollen Metalle darin geborgen werden. Dafür rechnet man mit einer Laufzeit zwischen sechs und zwölf Jahren. Während dieser Zeit soll parallel das Bergwerk für die Wiederinbetriebnahme vorbereitet werden. Das berichtet Gerd Hintze, Vorsitzender des Knappenvereins Bad Grund und bis zur Schließung Hauer mit Sprengberechtigung, in einem Gespräch mit unserer Zeitung.

Mit der Schließung des Erzbergwerks, das seit 1924 von der Preussag AG betrieben wurde, ging nicht nur in der Bergstadt eine Epoche zu Ende, sondern im gesamten Harz, denn es war das letzte und wohl auch bedeutendste Erzbergwerk in der Region. Eigentlich sollte die Grube bereits im Jahr 1988 geschlossen werden. Rund 600 Mitarbeiter waren zu dem Zeitpunkt dort beschäftigt. Eine Demonstration in Hannover mit einer Unterschriftenaktion, aber auch die dann wieder steigenden Metallpreise sorgten für eine Fortführung. Seit ihrer Lehrzeit in den 1950er Jahren bis zur Schließung waren auch Reinhard Herr und Günther Friedrichs, beide zuletzt als Hauer mit Schießberechtigung im Bergwerk beschäftigt, wie auch schon ihre Väter und Großväter vor ihnen. Dadurch habe man auch automisch die Spitznamen seiner Vorfahren übernommen, auch wenn man eigentlich gar nicht mehr wusste, woher dieser rühre, so Reinhard Herr schmunzelnd, der den Spitznamen „Der Kratsch“ automatisch übertragen bekam.

Die endgültige Schließung 1992 sei ein großer Schlag gewesen, so Hintze. „Die Preussag war hier in der Region der größte Arbeitgeber“, so Friedrichs, wovon alle wirtschaftlich profitiert hätten, unter anderem durch Steuereinnahmen und die gute Kaufkraft. Zu den Hoch-Zeiten, wie etwa 1922, waren dort 1377 Mitarbeiter angestellt. Bei der Schließung waren es noch 322.

Erstmals erwähnt wurde das Bergwerk unter der Bezeichnung „Hilff Gots im Grundt“ im Jahr 1564. Von 1633 bis 1751 unternahm man mehrere Versuche, den Bergbau dort wiederaufzunehmen, was 1831 zum Erfolg führte. Das Erzbergwerk war aufgrund seiner historischen Entwicklung keine einheitliche gewachsene Grube, sondern aus den ehemals selbstständigen Gruben „Hilfe Gottes“ und der „Bergwerkswohlfahrt“ zusammengewachsen und 1931 betrieblich zusammengefasst worden. Seit 1831 wurden dort mehr als 19 Mio Tonnen silberhaltige Blei-Zink-Erze gefördert, aus denen 1 Mio Tonnen Blei, 700000 Tonnen Zink und über 2500 Tonnen Silber gewonnen werden konnten.

Zu dem Bergwerk gehören fünf Schächte: der Westschacht (Tiefe 518 Meter), der Knesebeckschacht (Tiefe 499 Meter), Wiehmannsbucht (Tiefe 762 Meter), der Medingschacht (Tiefe 519 Meter) und der Achenbachschacht als Hauptschacht mit einer Tiefe von 719 Metern. Der Medingschacht wurde bereits 1967 außer Betrieb genommen. Nach der Schließung bis zur endgültigen Stilllegung im Jahr 1997 wurden die Schächte aus sicherheitstechnischen Gründen größtenteils mit Beton verfüllt.

Auch wenn Hintze wahrscheinlich selbst nicht mehr die Wiederbelebung als aktiver Bergmann erleben werde, steht er den Plänen positiv gegenüber. „Es ist nur positiv, wenn der Bergbau im Harz wieder in Schwung kommt“.

Foto oben: Luftaufnahme der Grube Hilfe Gottes. Foto: Archiv Gerd Hintze

 

Gerd Hintze, Reinhard Herr und Günther Friedrichs (v.l.) beim Stöbern in alten Fotos von ihrer Arbeit in dem Erzbergwerk Bad Grund. Foto: Niemann

Der Achenbachschacht mit einer Teufe (Tiefe) von 719 Metern war der Hauptschacht der Grube Hilfe Gottes. Foto: Niemann

 

Einen Überblick über die Sohlen und Schächte liefert der sogenannte Seigerriss, ein Querschnitt. Foto: Archiv Gerd Hintze

Einmal im Jahr wurde ein Abschlussfoto zu Weihnachten untertage gemacht, hier ein Bild aus den 1950er Jahren. Foto: Archiv Gerd Hintze

Einblick in den Hilfe Gottes Schacht mit Gangaufschluss aus dem Jahr 1991. Foto: Archiv Gerd Hintze

Kartierungsarbeiten der Geologen im Achenbachschacht auf der 18. Sohle. Foto: Archiv Gerd Hintze

Betriebsleitung in den 1960er-Jahren