Bad Grund(kw/ps). Die Entstehung des Musikzuges Taubenborn begann im wahrsten Sinne des Wortes zwergenhaft, denn der Musikzug ist eine Weiterentwicklung der in den Sechziger Jahren entstandenen Kinderkapelle „Die Gartenzwerge“.

Der Leiter dieser Kapelle, Klaus Schreyer, hatte erfahren, dass im alten Rathaus von Bad Grund noch einige alte Fanfaren und Landsknechttrommeln auf dem Dachboden liegen, die von niemanden mehr genutzt werden. Diese alten Instrumente holten sich die Gartenzwerge im Januar 1967 und baten Klaus Schreyer, ihnen Unterricht zu erteilen.

Die Proben begannen mit sieben Fanfaren und einer Landsknechttrommel. Zum Osterfeuer 1967 erfolgte der erste Auftritt. Gespielt wurde nur ein einziger Marsch, der Treptower Fanfarenmarsch. Durch den ersten Beifall ermuntert, entstand aus dem lose zusammengewürfelten Haufen von Kindern ein ganz kleiner Fanfarenzug. Leiter, Ausbilder, Organisator war alles in einer Person Klaus Schreyer. Die Gründungsmitglieder waren: Jörg Grupe, Bernd Wagner, Heinz Schreyer, Klaus Schroppe, Reinhard Schroppe, Dagmar Wagener und Edelgard Haase auf Fanfaren sowie Wolfgang Winkel und Ilona Teifel mit Trommeln. Die Jungen und Mädchen wendeten sich an Karl Röttger, dem Vorsitzenden der Taubenborner Siedlergemeinschaft, und baten um Aufnahme als Jugendgruppe. Der Fanfarenzug hieß fortan:  –Jugendfanfarenzug Taubenborn- Jugendgruppe der Siedlergemeinschaft Taubenborn im Deutschen Siedlerbund. Bereits im Sommer 1967 waren 25 Jungen und Mädchen als aktive Spielleute dabei. Viele Taubenborner und Einwohner aus Bad Grund und den umliegenden Gemeinden traten dem Verein als fördernde Mitglieder bei.

Von der Knüppelgarde zum Blasorchester

Nach dem ersten Auftritt zu Ostern 1967 glaubte wohl niemand daran, dass aus diesem kleinen Haufen einmal ein großer Fanfarenzug und in der Weiterentwicklung eine Blaskapelle werden könnte. Im Jahre 1969 entstand, durch den Zugang  vieler junger Mädchen, neben dem Fanfarenzug noch ein Spielmannszug. Gleichzeitig begannen die Proben mit Ventilinstrumenten. Als Lehrer und Ausbilder für den Fanfarenzug leistete Bernd Wagner hervorragende und unermüdliche harte Arbeit, welche bis zum heutigen Tag nicht wegzudenken ist. 1975 wurde der Spielmannszug aufgelöst und die verbliebenen Mitglieder in den Fanfarenzug übernommen. 1982 erreichte der Mitgliederstand mit 114 aktiven Spielleuten seinen bisher höchsten Stand. 1985 wurde beschlossen, die Fanfaren zur Seite zu legen und nur noch mit Ventilinstrumenten zu musizieren. Dazu war es als Erstes notwendig, Noten zu lernen. Einige Spielleute gaben den aktiven Spielbetrieb auf. Aber in kurzer Zeit ging es musikalisch wieder gewaltig bergauf.

Zeit der Meisterschaften und Pokalgewinne

Durch den Beitritt zur Spielmannszugvereinigung Niedersachsen war der Fanfarenzug zur Teilnahme an allen Wettstreiten bis hinauf zur Deutschen Meisterschaft berechtigt. Schon 1971 waren die ersten Erfolge dank fleißigen Übens zu erkennen. In der modernen Fanfarenklasse [mit Trompeten] wurde der Titel „Bezirksmeister“ errungen. Das erfolgreichste Jahr war aber 1972: In der modernen Fanfarenklasse wurde man Bezirksmeister und in der gemischten Klasse Niedersachsenmeister. Höhepunkt jedoch war die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft in Ulm an der Donau. Man fuhr ohne große Hoffnungen hin, weil Süddeutschland als die Hochburg der Fanfarenzüge galt. Im Bewusstsein dessen gaben die Mädchen und Jungen ihr Bestes. Die Wertung war geheim. Als dann zur Siegerehrung ausgerufen wurde: „Deutscher Meister in der Jugendfanfarenklasse ist der Fanfarenzug Taubenborn aus Bad Grund!“, kannte der Jubel keine Grenzen und es rollten Freudentränen. In den folgenden Jahren nahm der Musikzug Taubenborn noch an vielen Meisterschaften teil. Auf Bundesebene erreichten die Spielleute einmal den Titel Deutscher Meister, zweimal Deutscher Vizemeister und mehrere dritte Plätze. Bei Landeswettstreiten wurde man dreimal Niedersachsenmeister und etliche Male Vize. Außerdem konnte man noch zehnmal den Titel Bezirksmeister erringen. Nachdem man 1985 völlig auf Blasorchester umgerüstet hatte, nahm der Musikzug 1987 erstmals wieder an einem Bezirkswettstreit teil. Groß war die Freude, als man nach der Umstellung sofort wieder Bezirksmeister und obendrein Tagesbester aller Bläserklassen werden konnte.

Fester Bestandteil in der Bergstadt Bad Grund

Heute ist der Musikzug aus dem kulturellen und gesellschaftlichen Leben Bad Grunds nicht mehr wegzudenken. Bei großen und kleinen Veranstaltungen sind die Spielleute gern gesehene Gäste und vor allem auch Mitwirkende, die durch ihr Können und ihr Engagement zum Gelingen beitragen. An dieser Stelle seien nur genannt: das Bergdankfest, Walpurgis, Sommerfeste und der Volkstrauertag. Insbesondere auch das Neujahrskonzert, die sonntäglichen Konzerte im Kurpark und vor allem das Lichterfest am Taubenborn müssen erwähnt werden, denn zu denen reisen zahlreiche Besucher aus nah und fern extra an.