Bad Grund. Die dramatisch rückläufigen Schülerzahlen zwingen zur Schließung von Grundschulen. Zur Schulentwicklungsplanung in der Gemeinde Bad Grund wurde vom Gemeinderat ein nicht öffentlich tagender Arbeitskreis eingerichtet. Von der Verwaltung gut vorbereitet, fanden zu diesem Thema vier Sitzungen statt.

Die Planung, im Schulgebäude Badenhausen eine zweizügige Grundschule für die Gemeinde Bad Grund zu schaffen, wurde verworfen. Die Schülerzahlen sind (noch) zu hoch. Außerdem gab es Zweifel, wie „bestandssicher“ der Oberschulstandort nach der Fusion der Landkreise Göttingen-Osterode noch ist.

Die Planung, von den Grundschulen in Bad Grund, Gittelde und Eisdorf zwei zu schließen, wurde ebenfalls verworfen, da auch hier (noch) zu hohe Schülerzahlen vorhanden sind. Als Übergangslösung wurde die Grundschule Eisdorf, aufgrund des geringeren Finanzbedarfs, übergangsweise als Außenstelle vorgesehen. Als Grundschulstandort wurde sich für die Grundschule Gittelde entschieden.

Zur Bewertung waren dazu von der Verwaltung 23 Kriterien zur Entscheidungsfindung vorgelegt worden. In 13 Punkten wurden die Grundschulen gleich bewertet. Bei den anderen Kriterien war das Ergebnis 8 zu 3 für Gittelde bzw. für Eisdorf. Im Wesentlichen ging es um finanzielle Aspekte. Selbst das Thema Schülerbeförderung spielte eine untergeordnete Rolle.

Der Antrag, als Bewertungskriterium „Außerschulische Lernorte“ zusätzlich aufzunehmen, wurde mit 8 zu 3 abgelehnt. Das Kollegium und der Schulelternrat der Grundschule Bad Grund hatten sich mit ausführlichen Begründungen an den Arbeitskreis gewandt. Auch die Abgabe von über 1.500 Unterschriften zum Erhalt der Grundschule Bad Grund brachte kein Umdenken.

Die bautechnische Bewertung der Schulgebäude wurde als gleichwertig angesehen. Der Sanierungsbedarf für Bad Grund und Gittelde wurde mit je 400.000 EURO beziffert, die späteren Betriebskosten für Bad Grund 127.000 EURO, für Gittelde 131.000 EURO und für Eisdorf 85.000 EURO. Der Einbau von Fahrstühlen für die Barrierefreiheit in Bad Grund 90.000 EURO und Gittelde 110.000 EURO. Leerstandkosten Bad Grund 6.000 EURO, Gittelde 8.000 EURO und Eisdorf 4.000 EURO.

Aus verständlicher Besorgnis um den Erhalt des Lehrschwimmbeckens in der Grundschule Gittelde ging die DLRG- Ortsgruppe an die Öffentlichkeit. Die Gemeinderatsmitglieder wurden gebeten, das bei der anstehenden Entscheidung zu den Schulschließungen zu berücksichtigen. Auf Nachfrage der Bad Grunder Gemeinderatsmitglieder wurde mitgeteilt, dass es keine Bedenken gäbe, das Lehrschwimmbecken, nach möglicher Schließung der Schule, nur noch für Vereinszwecke zu betreiben. Mit der Entscheidung für Gittelde wurde öffentlich bekannt gemacht, dass weder das Lehrschwimmbecken noch die Sporthallen geschlossen werden.

Aus verständlicher Besorgnis um den Erhalt der Grundschule Bad Grund forderte der Ortsbürgermeister das Anhörungsrecht des Ortsrates ein. In einer Resolution wurden die Gemeinderatsmitglieder aufgefordert, nicht Eisdorf, sondern Bad Grund als Außenstelle zu erhalten. Der Gemeinderat lehnte das mit 17 zu 4 Stimmen ab. Abgelehnt wurde auch der nochmalige Antrag, das Kriterium „Außerschule Lernorte“ zusätzlich zu behandeln und dazu die Entscheidung zur Schulschließung zu vertagen.

Nach der nichtöffentlichen Sitzung des Arbeitskreises wurde über den Bewertungsvorschlag, Gittelde als Hauptstandort und Eisdorf als Außenstelle einzurichten, die Presse informiert. Auf der öffentlichen Sitzung des „Ausschuss Schulen und Kindergärten“ erfolgte keine Diskussion, sondern dem Beschlussvorschlag wurde mehrheitlich zugestimmt. Ein Zuhörer: „Ich bin gekommen, um überzeugende Gründe für Gittelde als Schulstandort zu erfahren, leider war das nicht der Fall!“

Nach zustimmender Vorbereitung im Verwaltungsausschuss wurde dem Beschlussvorschlag im Gemeinderat mit 17 zu 4 zugestimmt. Verwaltungsseitig wurde umfassend über die Situation der Grundschulen in der Gemeinde Bad Grund informiert. Eine Diskussion mit Gründen für oder gegen eine der Schulen gab es nicht. Der bürgernahe Antrag des Ratsvorsitzenden, die Gemeinderatsitzung für eine Bürgerfragestunde zu unterbrechen, wurde mit 17 zu 4 abgelehnt. Nach der Entscheidung gab es von den zahlreichen Besuchern der Gemeinderatssitzung keine Fragen! Inzwischen wurden allerdings von Eltern beim Landkreis und der Landesschulbehörde rechtliche Mittel gegen den Gemeindebeschluss eingelegt.

Die Verwaltung wurde beauftragt, Lösungsmöglichkeiten für die Verwendung der zu schließenden Schulgebäude zu erarbeiten. Von der Verwaltung war, noch vor der Entscheidung für Bad Grund oder Gittelde, ein Interessent für das Schulgebäude in Bad Grund genannt worden. Allerdings wollte dieser weder seinen Namen noch den Verwendungszweck genannt wissen. Der Gemeindebürgermeister bemüht sich darum, dass der Interessent Namen und Verwendungszweck preisgibt.

Der Beschluss über die Schließung erfolgt unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch die Niedersächsische Schulbehörde. Nach dieser Entscheidung sind Rat und Verwaltung gefordert, die verbleibende Grundschule über die eingesparten Finanzmittel bestens auszustatten. Eine zukunftsweisende und nachhaltige Schullandschaft muss den schulischen Anforderungen langfristig gerecht werden, dazu gehören auch „Außerschulische Lernorte“.

Peter Schwinger