Eisdorf (pb). „Man sollte dem Glück schon den Weg ebnen, indem man ihm vertraut“, diese Überlegung stellte ein junger Mann in der Kurzgeschichte an, die in der Neuauflage von Sabine Armbrechts Märchenbuch für Erwachsene mit dem Titel „Silberstreif am Horizont“ zu lesen ist.

Die Eisdorfer Autorin hatte vor drei Jahren schon einmal ein Taschenbuch mit demselben Titel herausgebracht. Bevor nun die 1 000 Werke ganz vergriffen waren, trat der Verlag an sie heran, ein Neues mittels Schreibfeder festzuhalten. Doch sie wollte keine zweite Märchenwelt für Erwachsene entstehen lassen, sondern die erste mit literarischen Inseln bereichern. Somit ist der Silberstreif um 51 Seiten, auf denen sich sechs neue Geschichten tummeln, breiter geworden.

Sabine Armbrecht, die vor 56 Jahren das Licht der Welt in Eisdorf erblickte und 1996 in ihrem Elternhaus eine eigene Arztpraxis eröffnete,   schrieb schon immer so „nebenbei“ Märchen für Erwachsene nieder. Auf Wunsch vieler Freunde ist daraus ein gebundenes Buch geworden, dass in der Erstausgabe 16 Geschichten, umrahmt von feinfühligen Bildern, präsentiert. In Druck ging es übrigens beim Frieling-Verlag in Berlin, der jetzt auch das zweite Buch herausgab (ISBN: 978-3-8280-3373-3).

Hat sie schon in den ersten 16 Erzählungen den Alltag mit den Augen der Poetin gesehen und mittels einfühlsamer Feder mit lebensbejahenden Worten unterstrichen, hat sie das nicht weniger überzeugend fortgesetzt.

Somit schreitet beispielsweise der überaus arrogante Pfau mit blutroten Federn über einige Seiten. Er ist so mit dem Erhalt seines Images, dass er fast zu spät bemerkt, dass Hochmut wahrlich vor den Fall kommt. Doch ein Artgenosse hilft ihm zu begreifen, dass wahre Freundschaft Hindernisse aus dem Weg räumen und bis zum Lebensende halten kann.

In einer weiteren neuen Mär offenbart sie sehr eindrucksvoll, dass auch Sandkörner im Wind Träume haben können. „Der Tag, an dem die Sonne verschwand“ wiederum macht deutlich, dass der Mensch nicht so überheblich glauben sollte, er könne die Lebensspenderin ersetzten. Vielmehr sollten alle daran denken, dass die es ist, welche auf die Rufe der Erde nach Kraft und Wärme antwortet  – und nicht durch ein anmaßendes Werk des Menschen ersetzt werden kann.

Und sie schrieb  über einem Gelehrten, der sich bei der Suche nach dem schönsten Blauton des Himmels in seinem Leben verlaufen hat. Irgendwie lässt jede Geschichte eine kleine Tür offen, durch welche jeder Leser schauen und ein wenig sich selbst entdecken könnte.

Aber auch eine Weihnachtsgeschichte mit den Spuren im Schnee, die ein Wesen hinterließ, wenn es immer am Heiligen Abend seinen Weg durch die Welt beschreitet. Die Frage, ob es die Fußabdrücke des die Spur des Christkindes ist, sollte jeder für sich selbst beantworten.

Diese Geschichten fügen sich in die ersten 16 Märchenerzählungen so einfühlsam ein, dass ein warmer Silberstreif entstanden ist, der sich  in seiner Aussagekraft noch tiefer in die Gedanken der Erwachsenen niederlassen dürfte. 

Bild: Sabine Armbrecht, hier mit Dackeldame „Maya“, hat ihr Märchenbuch für Erwachsenen, den „Silbersteif am Horizont“, mit mehr Geschichten neu aufgelegt.  Foto: Bordfeld