Hausbesetzung der anderen Art: Eine Gruppe Weißstörche machte Halt in Gittelde. Dass sie dort bleiben werden, ist jedoch eher unwahrscheinlich

Gittelde (hn). Für eine kleine Attraktion sorgten am Mittwoch sechs Weißstörche, die sich auf verschiedenen Haus- und Kichendächern in Gittelde niedergelassen hatten. Etwas länger verweilten

sie in der Planstraße auf zwei nebeneinander liegenden Dächern, wo man die eleganten Schreitvögel, die im Volksmund auch als Klapperstorch bezeichnet werden, gut beobachten konnte.

Viele der Einwohner staunten nicht schlecht über die Anzahl der langbeinige Gruppe, äußerten jedoch auch humorvoll und augenzwinkernd die Bedenken, dass hoffentlich kein solcher Problemstorch, wie Ronny, der in dem Dorf Glambeck im Norden Brandenburgs durch seine Schnabel-Attacken zu einer kleinen Berühmtheit geworden ist, unter den Tieren sei. Dass die Gruppe in Gittelde bleiben und nisten wird, schätzte Gerrit Zimmermann, ehemaliger Naturschutzwart vom Harzklub Zweigverein Gittelde, aber eher als unwahrscheinlich ein. „Der Weißstorch ernährt sich unter anderem von Schlangen, Fischen und Fröschen, und die wird er hier und in der Umgebung von Gittelde nur schlecht finden“. Bei der Storchen-Gruppe handele es sich wahrscheinlich um Jungstörche, so Zimmermann weiter „die wurden von den Alten vertrieben und erkundschaften jetzt die Region“.

Den Weißstorch (Ciconia ciconia) kann man in fast ganz Europa sehen, außer in Skandinavien und England. Sonst trifft man ihn als Brutvogel bis nach Russland an. Er gehört zu den Zugvögeln, überwintert in Afrika und ist mit seiner Größe von rund 1,10 Meter etwas größer als der Graureiher. Seine Flügelspannweite beträgt etwa 2,20 Meter wie beim Seeadler.  Im Aussehen unterscheiden sich Weibchen und Männchen nur in der Größe und im Gewicht. Das Männchen ist größer und schwerer. Störche sind Fleischfresser, und obwohl es Unterschiede im Nahrungsspektrum der einzelnen Arten gibt, bilden Fische, Frösche und Nagetiere für die meisten Storcharten die Hauptnahrung. Hingegen der landläufigen Meinung, Weißstörche würden besonders Frösche bevorzugen, bilden diese in Wahrheit nur einen kleinen Teil der Nahrung. Der Weißstorch bevorzugt hauptsächlich Fische, Kaulquappen, Schlangen, Eidechsen, Wühlmäuse, Maulwürfe und Hamster, ebenso wie große Insekten. Was die Beziehung von Mensch und Storch angeht, kann man sagen, dass in Europa der Weißstorch gerne auf Dächern geduldet wird, gleiches gilt auch in Afrika für den Abdimstorch und in Indien für den Buntstorch. Da in Deutschland die Weißstörche immer mehr zurückgehen, stehen für die Jungstörche genügend alte Nester zur Verfügung die sie nur noch ausbessern müssen. Solche Nester, die oft über Jahrzehnte genutzt werden, können dann schon mal ein paar hundert Kilogramm wiegen und eine Dachkonstruktion belasten. In Gittelde muss man sich aber  wohl leider eher keine darum Gedanken machen. hn

Bild: Sechs Weißstörche (3 im Bild) verweilten lange auf zwei Dächern in der Gittelder Planstraße (Foto: Herma Niemann).