Gittelde (hn). Die Kindheit hat sich in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich verändert. Waren die Kinder früher noch den ganzen Nachmittag draußen, verbringen sie heute zunehmend ihre Freizeit am PC oder an der Spielekonsole.

Studien belegen, dass sich heutzutage schon die Grundschulkinder nur noch durchschnittlich eine Stunde am Tag bewegen und durchschnittlich neun Stunden sitzen, nämlich vor den Hausaufgaben, vor dem Fernseher oder vor dem Computer. Somit fehlen ihnen zunehmend Bewegungserfahrungen und altersgemäßes Bewegungskönnen.

Aus diesem Grund hat die Niedersächsische Landesregierung eine Initiative ins Leben gerufen, die auf vielfältige Weise zur Gesundheit durch Bewegungsförderung beiträgt.  Die Initiative „Bewegte Schule“, die unter anderem vom Landessportbund gefördert wird, stellten vor einer Woche der Projektleiter Hermann Städtler und die Referentin Ann-Kristin Bremer in der Gittelder Grundschule vor. Dieses Programm des Kultusministeriums soll dauerhaft in den Grundschulen Einzug halten,weil Bewegung erwiesenermaßen wichtig für die Entwicklung der Kinder sei, so Städtler. „Kinder, die sich mehr bewegen, verunglücken  nicht nur weniger, sondern es passieren auch weniger schwere Unfälle“, so der Projektleiter, und das aus einem ganz einfachen Grund, nämlich weil die Kinder ein Selbstsicherungsgefühl entwickeln. „Das Fallen lernt man nur von Fall zu Fall“.  

Während des Abends band der Projektleiter die Erwachsenen auch immer wieder in die Vorstellung mit ein, wie etwa durch Links-Rechts-Koordinationsübungen, die die linke und rechte Hirnhälfte ansprechen sollten und gar nicht so einfach zu handeln waren, aber auf jeden Fall für gute Laune bei allen beteiligten sorgte. „Wer mit Bewegung lernt, der erhöht die Gedächtnisleitung“, so Städler. Und dabei solle man die Kinder auch ruhig mal in den unmöglichsten Positionen Hausaufgaben machen. „Kinder können sich am besten konzentrieren, wenn sie sich wohlfühlen“.

Ann-Kristin Bremer berichtete, dass durch den Bewegungsmangel auch das Knüpfen der sozialen Kontakte wegfallen würde. Es entstünde dadurch eine Verinselung. „Die Bewegungszeit muss immer größer sein als die Zeit am Computer“, so Bremer. In Form eines handlungsorientierten Unterrichts werden mit den Schülern die folgenden Themen erarbeitet: Aufbau und Funktion der Wirbelsäule, das dynamische Sitzen und die Bedeutung von Bewegung für die Gesunderhaltung. Schon im Vorfeld des Aktionstages wurde mit den Kindern ein Schulranzen-Tüv durchgeführt. Neben der Sensibilisierung für das richtige Ranzengewicht haben sie hier schon einiges über das rückenfreundliche Tragen erfahren. Am Nachmittag stand eine Lehrerfortbildung auf dem Programm. Dabei erfuhren die Lehrer die positiven Effekte des handlungsorientierten Unterrichts auf ihr körperliches Wohlbefinden, die Aufmerksamkeit und Lernleistung am eigenen Körper.

Dabei standen die Themen, wie man mehr Bewegung in den Unterricht bekommt und die Begünstigung ergonomischer Schülerarbeitsplätze im Vordergrund. Erfolge dieses Programms sollen sich zudem schneller einstellen, wenn das „Mehr an Bewegung auch im Elternhaus gelebt und weitergeführt wird. Deshalb sei es auch wichtig, die Eltern in lokale Sportvereine zur aktiven Mitarbeit zu bewegen, damit die gesundheitsfördernden Impulse nicht am Schultor enden. Die geplante Umgestaltung des Pausenhofs an der Gittelder Grundschule beführwortete Städtler.

Besonders die Verwendung von unebenen Materialien würden die Impulse für die Kinder in der Pause erhöhen, denn 65 Prozent aller Kompetenzen würden die Kinder nebenbei erwerben. „Ein Außenort ist ein erstaunlicher Selbstlernraum, auch weil die Erwachsenen da nicht stören“, so Städtler humorvoll. 

Bild oben: Schulleiterin Iris Keller (links) und Ramona Klinzing (MTV Bad Grund) bei Übungen zur Links-Rechts-Koordination. Mit kleinen kognitiven Aufgaben brachte der Projektleiter Hermann Städtler die Erwachsen recht durcheinander. Foto: Niemann