Die aus Afghanistan stammende Familie Hosseini war 22 Tage auf der Flucht. Seit anderthalb Jahren wohnen sie in Windhausen, fühlen sich wohl und haben Zukunftspläne

Windhausen (hn). Sie haben viel durchgemacht auf ihrer Flucht aus dem Iran bis nach Deutschland. Zum Glück kann man ihnen die Strapazen nicht mehr ansehen, zumindest nicht äußerlich. Seit gut anderthalb Jahren lebt die fünfköpfige Familie Hosseini in Deutschland, die inzwischen auch Nachwachs bekommen hat.

Die Hosseinis, das sind Großmutter Sakimi (60), die 21-jährige Mahsume, ihre Schwester Razia (26), deren Mann Hussein (31) und die beiden Kinder Sajad (9) und der kleine Jonas, drei Monate alt.

Eigentlich stammt die Familie aus Afghanistan, hat aber zuletzt schon im Iran gelebt. Auch wenn man die Medien verfolgt, die über die Lebensumstände im Iran oder anderen vergleichbaren Staaten berichten, kann man sich als Bürger einer Demokratie nur ansatzweise  vorstellen, wie es dort zugeht. Im Iran hatten alle Arbeit. Hussein arbeitete als Betonbauer, Mahsume in der Qualitätskontrolle einer Fabrik, Razia als Teppichknüpferin und die Großmutter Sakimi als Reinigungskraft. Mahsume berichtet, dass sie nur nachts arbeiten durfte, da sie aus Afghanistan stammt. Bei nahezu jeder Gelegenheit würden die Iraner sagen: „Das ist unser Land und nicht euer Land“, sagt die 21-Jährige. Ihre Schicht habe von sieben Uhr abends bis sieben Uhr morgens gedauert, mit gerade mal einer Stunde Pause. Generell sei es für Frauen, egal ob verheiratet oder nicht, im Iran sehr gefährlich, abends oder nachts vor die Tür zu gehen. Da müsse man immer damit rechnen, von Männern belästigt und angefasst zu werden. Und sogar wenn die Polizei dazu käme und die Ausweise überprüfe, könne man keine Hilfe erwarten, wenn man keinen Iranischen Pass habe.

Die Flucht der Familie dauerte 22 Tage. Zu Fuß, mit dem Auto, auf einem Boot und sogar zu Pferd und Esel mussten sie durch zum Teil unwegsames Gelände. Viel mitnehmen habe man nicht können, gerade mal einen Rucksack mit Essen und Trinken und ein paar Sachen zum Wechseln. Auf der Überfahrt nach Griechenland mit rund 80 Personen in einem kleinen Boot, seien jedoch alle aufgefordert worden, die Rucksäcke über Bord zu werfen, da man sonst zu schwer sei, berichtet Hussein. Nach Griechenland, wo sie wieder mit dem Nötigsten ausgestattet wurden, kamen sie in ein Lager in Mazedonien, wo sie weder Decken noch genügend zu Essen gehabt hätten. „Es war so kalt und wir hatten kein Feuerholz“, so Mahsume „wir haben dann mit Kleidung und Schuhen Feuer gemacht“. Auch gab es dort viele Krawalle und Unruhen unter den Flüchtlingen.

Die Familie ist sichtlich froh, jetzt in Sicherheit zu sein. Den zweimonatigen Aufenthalt in der Osteroder Lindenberghalle haben sie in guter Erinnerung. In ihrer Wohnung in Windhausen fühlen sie sich wohl, hätten nette Nachbarn und auch schon Freunde gewonnen. Betreut werden sie von der ehrenamtlichen Helferin Christina Pfister, die inzwischen nur noch bei Bedarf helfen muss. Nachdem jetzt erst einmal der Sprachkurs zuende ist, arbeitet Hussein für den Bauhof, seine Frau kümmert sich um das Baby und Mahsume arbeitet vier Tage im Kindergarten. Sollten sie in Deutschland bleiben dürfen, könne sie sich eine Ausbildung in diesem Bereich sehr gut vorstellen, sagt Mahsume. „Ich lerne weiter die Sprache und die Arbeit mit den Kindern macht mir Spaß“. Auch Hussein ist mit viel Engagement dabei. Jedoch würde er gerne eine Ausbildung zum KFZ-Mechaniker machen. Die Familie ist in Deutschland angekommen, nimmt am Vereins- und Sozialleben teil und unternimmt Ausflüge.

Einmal seien sie nach Hannover zum Einkaufen gefahren, erzählt Mahsume. Die vielen Menschen dort, das Gewühl und Durcheinander sei jedoch nicht so ganz ihr Ding gewesen, wie sie sagt. „Und dann waren wir abends wieder zuhause …. hach, mein Windhausen“, schwärmt die 21-Jährige und lächelt.

 

Familie Hosseini fühlt sich in Windhausen sehr wohl: Hussein, Jonas, Razia mit Jonas und die Großmutter Sakimi sind in Deutschland angekommen (Foto: Herma Niemann).