Auf der Informationsveranstaltung zum Thema Kinderärztlicher Notdienst im Altkreis Osterode zeigten sich die Kinderärzte bereit für eine flexible Lösung aus zentralen Notdienst in Göttingen und einem stundenweise angebotenen Notdienst vor Ort

Landkreis Göttingen/Bad Lauterberg (hn). Dass die Aufgabe des Kinderärztlichen Notdienstes im Altkreis Osterode ein Thema ist, das viele Eltern sehr bewegt, zeigte die große Teilnahme am Samstag an der Informationsveranstaltung  der Bürgerinitiative „BI-Für Osterode“.

Zahlreiche Mütter und Väter nutzten die Gelegenheit, sich über den zukünftigen Kindernotdienst ab 2018 im Landkreis Göttingen zu informieren, worüber der Geschäftsführer der Bezirksstelle Göttingen der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) Harald Jeschonnek Auskunft gab.

Es sei unzumutbar, mit einem kranken Kind im schlimmsten Fall über 60 Kilometer bis nach Göttingen fahren zu müssen, sagte der erste Vorsitzende der BI Bernd Hausmann. Deshalb habe man zu dieser Zusammenkunft eingeladen, um über eventuelle Alternativlösungen zu suchen. Hausmann berichtete auch, dass es mehrere Unterschriftenaktionen zum Erhalt des Notdienstes gebe, die auch weiterin laufen sollen. Hintergrund für die Zentralisierung des Kinderärztlichen Notdienstes in Göttingen sei, dass die Bereitschaft von Ärzten, sich im ländlichen Raum niederzulassen gesunken sei, da die Bereitschaftsdienste nicht dazu beitragen, Beruf und Familie miteinander zu verbinden, so Jeschonnek. Daraufhin habe die KVN durch ihre Vertreterversammlung festgelegt, dass Ärzte nur noch vier Bereitschaftsdienste pro Quartal absolvieren müssten. Bei 92 Tagen im Quartal müssten demnach 23 Kinderärzte vorhanden sein. Mit den vorhandenen sechs Kinderärzten im Altkreis Osterode sei dies nicht aufrecht zu erhalten, zumal man demnächst auch daran denken müsse, dass in einigen Jahren Nachfolger gefunden werden müssten.  Bereits jetzt gebe es in vielen Regionen keinen Kinderärztlichen Notdienst. Eine weitere neue Bedingung sei, dass der Bereitschaftsdienst zentral einer Klinik angeschlossen sein muss, da dort auch die nötigen Medizinischen Geräte vorgehalten werden können. Regelungen seien nicht in Stein gemeißelt, so Jeschonnek, aber bei allen Angelegenheiten habe die KVN immer gesamt Niedersachsen im Auge.

Dr. Roy Kühne (CDU/MiB) betonte, dass die KVN Anreize schaffen müsse. Der Wegfall des Kindernotdienstes bedeute für die Region eine Steigerung der Unattraktivität. Wenn es im ländlichen Raum so weiterginge, habe man bald ein großes Problem bei der gesamten ärztlichen Versorgung. „Die Beibehaltung eines Kinderärztlichen Notdienstes ist ein Qualitätsmerkmal, das wir hier brauchen. Auch wenn man es nicht jedem Recht machen könne“, so Dr. Kühne „müsse es doch eine Kompromisslösung geben“. Auf Nachfrage von Andres Körner (CDU) nach der Vorgehensweise für einem Antrag an die KVN antworte Jeschonnek, dass die Mitgliederversammlung des KVN aus gewählten Mitgliedern, insgesamt 50 Ärzten (darunter vier aus Göttingen), bestehe. Die Versammlung tage dreimal im Jahr, im März, im Sommer und im November. Einen Antrag könnten nur die gewählten Mitglieder stellen. Daraufhin machte Körner den Vorschlag an die Kinderärzte, sich zusammenzusetzen und einen Vorschlag zu erarbeiten, der realistisch und die Forderungen nicht überdimensional formuliert sei.

Schlussendlich erfolge die Finanzierung durch die Beiträge der Eltern, so Jens-Norbert Marxen von der BI. „Es kann nicht sein, dass die KVN so etwas allein entscheiden kann, obwohl diese von unseren Geldern lebe“, so Marxen.

Eigentlich hätte es ab dem Jahr 2018 gar keinen Kinderärztlichen Notdienst mehr geben sollen, sagte Kinderarzt  Martin Webel, weshalb die zentralisierte Lösung an der Göttinger Kinderklinik keine Selbstverständlichkeit sei. Man könne sich jedoch gut vorstellen, neben dem zentralisierten Notdienst in Göttingen, wenigstens stundenweise einen solchen in Osterode anzubieten, ohne die Göttinger Lösung zu gefährden.

Dr. Andres Philippi (SPD) bat darum, Aktionen und Diskussion um einige Wochen zurückzustellen, da im Februar Gespräche mit Vertretern aus Ärzteschaft, KVN und Politik stattfinden sollen und versprach, eine Mitteilung des Ergebnisses sofort weiterzugeben. Danach drohte die bisher friedliche Diskussion kurzfristig zu kippen, da Marxen und Frank Kosching von der BI sich von dem Vorschlag Philippis bevormundet fühlten. Hausmann appellierte für eine gemeinsame Lösung, bei der jeder, der sich engagiert, mit an den Verhandlungstisch gehöre.     

Viele Eltern schilderten die Situation eines Notfalls mit einem kranken fiebrigen oder gar einem blutenden Kind, mit dem man unmöglich eine solche Strecke bis nach Göttingen zurücklegen könne. Da bliebe dann nur noch die Alternative, einen Rettungswagen zu rufen. Eine Mutter gab zu bedenken, sich einmal auf die Spitze getrieben vorzustellen, wenn zahlreiche Eltern den Rettungswagen anfordern und an anderer Stelle ein Erwachsener mit einem Herzinfarkt ebenso schnelle Hilfe benötige. „Fehlt noch, dass sich die Notärzte fragen müssen, wer da jetzt vorginge“, so die Äußerungen der Mutter.

Im weiteren Verlauf wurde auch noch einmal deutlich darauf hingewiesen, dass die Einstellung im Altkreis Osterode und die Zentralisierung des Kinderärztlichen Notdienstes in Göttingen nichts mit der Großkreisfusion zu tun habe, sondern allein mit den Entscheidungen der KVN zusammen hänge. Für Ärzte müsse der Weg zum Bereitschaftsdienst zumutbar sein, so Hausmann, dies müsse jedoch auch für Eltern mit kranken Kindern gelten.

Die geplante Zentralisierung des Kinderärztlichen Notdienstes in Göttingen beschäftigt die besorgten Eltern. Viele waren zu der Informationsveranstaltung der BI nach Bad Lauterberg gekommen (Foto: Herma Niemann).

Bei der Diskussion über eine mögliche Lösung, den Kinderärztlichen Notdienst für den Altkreis Osterode zu erhalten. Die Kinderärzte Ute Leib und Martin Webel mit Dr. Andrea Philippi und Harald Jeschonnek (v.l.n.r) (Foto: Herma Niemann).