Kreis Osterode (pb). Weil mit dem Frühjahrserwachen der Natur auch die Brut- und Setz-Zeit vieler heimischer Wildtiere beginnt, herrscht ab dem 1. April bis zum 15. Juli die Anleinpflicht für Hunde im Wald und in der freien Landschaft.

Die Kreisjägerschaft Osterode bittet daher alle Naturfreunde und Erholungssuchende in den kommenden Wochen um erhöhte Rücksichtnahme beim Spaziergang in der freien Natur.

„Ob Rehkitz, Junghase oder Fasanenküken, die Natur gleicht im Frühjahr einer einzigen Kinderstube“, so Dr. Karl Schumann Vorsitzender der Jägerschaft Osterode. „Rücksichtnahme ist also dringend erforderlich.“ Von den freilaufenden besten Freunden des Menschen gehe in dieser Zeit eine besondere Gefahr aus, denn nicht nur die Jungtiere, auch die Elterntiere seien mitunter stark gefährdet. So seien beispielsweise hochträchtige Rehe bei weitem nicht mehr schnell genug, um vor stöbernden Hunden fliehen zu können.

Aber auch für die Hundebesitzer gilt es einiges zu beachten, denn die tierische Nachwuchspflege unterscheidet sich häufig deutlich von der des Menschen: Zum Schutz der Jungen werden diese tagsüber vom Muttertier häufig allein gelassen. So sind Rehkitze in den ersten Wochen nahezu geruchlos. In Verbindung mit der angeborenen „ducken-und-tarnen-Strategie“ sind sie so für natürliche Fressfeinde fast unauffindbar. Die Ricke erscheint nur zum Säugen, in der Zwischenzeit hält sie größeren Abstand.

Solch scheinbar verlassene Jungtiere sollten Spaziergänger auf keinen Fall anfassen oder gar mitnehmen. Denn das Jungwild nimmt bei Kontakt sofort den Menschengeruch an. Durch diesen Fremdgeruch wird das zurückkommende Muttertier sofort abgeschreckt, und  die Jungtiere werden tatsächlich zu Waisen. „Falsch verstandene Tierliebe bewirkt in diesen Fällen leider allzu häufig das Gegenteil“, so Kreisjägermeister Claus-Wilhelm Deig.

Aber auch indirekt können Hund und Mensch den tierischen Nachwuchs gefährden: Nähern sie sich ihrem Gelege, verlässt die Rebhenne ihr Nest mit Eiern oder jungen Küken, um den Feind abzulenken. Rabenvögel wie Krähe oder Elster merken sich diese Stelle – die ungeschützten Gelege sind für sie eine leichte Beute.

„Man sollte bitte auf den ausgewiesenen Wegen bleiben und unbedingt den Hund angeleint führen“, fasst der Kreisjägermeister die wichtigsten Verhaltensregeln für den Spaziergang in der freien Natur zusammen.

BILD: Helmut Heimpel lichtete dieses Rehkitz ab.