Christina Pfister aus Windhausen engagiert sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe und erfuhr viel Unterstützung vom Sozialamt der Gemeinde Bad Grund. Seitdem das Sozialamt in Osterode zuständig ist, vermisst sie eine gute Zusammenarbeit

Gemeinde Bad Grund (hn). Als es darauf ankam zu helfen, haben viele Menschen in der Gemeinde Bad Grund Einsatzbereitschaft bewiesen und sich ehrenamtlich für die Flüchtlinge engagiert. Schnell wurde ein Flüchtlingsnetzwerk gegründet, in dem die Verwaltung der Gemeinde, Bürger und die Beschäftigungsinitiative BIG Hand in Hand arbeiteten, Wohnungen einrichteten, Kleidung und Hausrat organisierten und Hilfe im Alltag leisteten.

Auch seitdem der Zustrom der Flüchtlinge abgeebbt ist, engagieren sich immer noch zahlreiche Einwohner, um den Flüchtlingsfamilien bei einem guten Start in ein neues Leben zu helfen. So wie Christina Pfister aus Windhausen, die seit Anfang des vergangenen Jahres eine fünfköpfige Familie aus Afghanistan betreut. Die Betreuung habe sich sehr arbeitsintensiv gestaltet, berichtet sie, da die Mutter hochschwanger und der Sohn stark traumatisiert gewesen sei. Dennoch habe sie sich auf die Unterstützung der Gemeinde verlassen können, was die Arbeit sehr erleichtert habe, sagt sie. Dies sei leider seit dem Umzug des Sozialamtes nach Osterode, bedingt durch die Landkreisfusion, oft nicht mehr der Fall. Pfister wisse natürlich, dass es gesetzliche Grundlagen einzuhalten gelte, aber im Umgang mit Menschen komme es für sie auf ein respektvolles Miteinander an. Unbürokratische Hilfe, wie eine schlichte Auskunft, habe sie vermisst, so Pfister, die die bisherige Vorgehensweise bei Arztbesuchen schildert. Der Hausarzt stellte eine Überweisung zum Facharzt aus, die vom Sozialamt der Gemeinde Bad Grund abgestempelt wurde, und mit der die damals hochschwangere Mutter den Gynäkologen aufsuchen konnte.

In der Übergangsphase, in der das Sozialamt nach Osterode umzog, wurde wohl diese Regelung abgeschafft. Der Haken daran sei jedoch gewesen, dass dies den Ärzten nicht mitgeteilt wurde, die demzufolge immer noch den Stempel auf dem Schein verlangten. „Für Schwangere sind regelmäßige Arztbesuche wichtig“, so Pfister „und hier lag auch noch eine Komplikation vor“. Auf Nachfrage bei der betreffenden Mitarbeiterin des Sozialamtes bekam sie zu hören, dass es nicht in ihrem Aufgabenbereich liege bei den Ärzten anzurufen und diese darüber zu informieren. Das Gespräch sei nicht gut verlaufen, und die Mitarbeiterin habe mit den Worten abgeblockt, dass sie sich gerne beim Landkreis Göttingen über sie beschweren könne. Das sei gar nicht ihr Gedanke gewesen, äußert Pfister, aber in dem Moment, in dem die Mitarbeiterin dies aussprach, entgegnete sie, dass dies vielleicht auch ein Fall für die örtliche Presse sei, woraufhin die Mitarbeiterin sagte, dann würde sie die Polizei rufen. „Es ärgert mich, wie mit Menschen umgegangen wird, die Unterstützung brauchen“, so Pfister, „denn schlussendlich machen wir das ehrenamtlich und entlasten damit sogar die Behörden“. Die Pressestelle des Landkreises erklärte dazu, dass die Verantwortlichen des Fachbereichs Soziales mit den beteiligten Personen gesprochen und den Sachverhalt geklärt hätten. Weiter betont der Pressesprecher Ulrich Lottmann, dass durch die Koordinierungsstelle für Migration gewährleistet sei, dass bei Unklarheiten zu Zuständigkeiten immer ein Ansprechpartner weiterhelfen könne und Fragen bei den richtigen Stellen geklärt werden und Rückmeldungen an die Ehrenamtlichen gegeben werden können. Was die Überweisung von Flüchtlingen an Fachärzte anginge, habe der Landkreis inzwischen ein Hinweisblatt zur medizinischen Versorgung ausgearbeitet, das über die Kassenärztliche Vereinigung an die Ärzteschaft zur künftigen Umsetzung  weitergegeben wurde. Auch Leistungssachbearbeiter seien darüber informiert worden.

Einfacher und konfliktfreier wäre es für alle Beteiligten gewesen, sie  wären im Vorfeld vor entscheidenden Veränderungen informiert worden, so Pfister, denn dann hätte es diese Komplikationen gar nicht gegeben und die Fusion hätte sich nicht als Konfusion dargestellt. 

Hand in Hand engagierten sich ehrenamtliche Helfer mit dem Helfernetzwerk und der Unterstützung der Gemeinde Bad Grund, wie etwa bei der großen Flüchtlingsfeier im Bad Grunder Atrium im Februar 2016. Seitdem das Sozialamt nach Osterode umgezogen ist, vermisst Christina Pfister die bislang gute Zusammenarbeit (Foto: Herma Niemann).